MFR 2028–2034: Horizon Europe zwischen Forschung und Wettbewerbsfähigkeit
25.09.2026 11:00
Die Europäische Kommission hat für Horizon Europe im EU-Haushalt 2028–2034 ein Budget von 175 Mrd. Euro vorgeschlagen. Zum Vergleich: In der aktuellen Förderperiode 2021–2027 stehen 93,5 Mrd. Euro zur Verfügung. Außerdem soll das EU-Förderprogramm für Forschung und Innovation in Zukunft enger mit dem neuen Europäischen Fonds für Wettbewerbsfähigkeit verknüpft werden. Damit stellt sich nicht nur die Frage nach der Höhe des Budgets, sondern auch danach, welche Rolle Forschung künftig in der europäischen Wettbewerbsstrategie spielen soll und wofür EU-Forschungsförderung künftig eingesetzt werden soll.
Künftig soll Horizon Europe nicht nur exzellente Forschung finanzieren, sondern stärker zur Wettbewerbsfähigkeit der EU beitragen. Forschung und Innovation sollen gezielter mit strategischen Prioritäten der EU verknüpft werden. Dazu zählen etwa Digitalisierung, Dekarbonisierung, Gesundheit und Biotechnologie sowie Verteidigung und Raumfahrt. Gleichzeitig soll Horizon Europe weiterhin die gesamte Bandbreite von der wissenschaftlichen Grundlagenforschung bis zur Entwicklung neuer Technologien abdecken.
Der Fokus auf die Wettbewerbsfähigkeit wirft die Frage auf, wie stark sich die Forschungsförderung künftig an politischen und wirtschaftlichen Prioritäten orientieren soll. Denn wenn Fördermittel gezielt in strategisch wichtige Bereiche gelenkt werden, kann dies den Spielraum für Forschung verändern, deren Ergebnisse und mögliche Anwendungen heute noch nicht absehbar sind. Aus der Forschungsgemeinschaft kommt deshalb die Forderung, die wissenschaftliche Qualität und die Freiheit der Forschung auch im neuen Programm ausreichend zu schützen. Auch das Europäische Parlament setzt sich dafür ein, dass wissenschaftliche Exzellenz und eine unabhängige Forschungsagenda zentrale Elemente von Horizon Europe bleiben.
Wer über die Prioritäten des Forschungsprogramms entscheidet, ist ein weiterer zentraler Punkt der Verhandlungen. Der Rat will den Mitgliedstaaten dabei eine stärkere Rolle geben. Das Europäische Parlament lehnt diesen Ansatz in dieser Form ab und fordert, dass die Forschungsagenda weiterhin maßgeblich von wissenschaftlichen Kriterien und nicht von politischen Vorgaben bestimmt wird.
Auch beim Budget gehen die bisherigen Positionen auseinander. Die Kommission schlägt für Horizon Europe 175 Mrd. Euro vor. Der Rat hat in seiner bisherigen Verhandlungsposition 167,8 Mrd. Euro vorgesehen, während das Europäische Parlament 200 Mrd. Euro fordert.
Nun müssen Rat und Europäisches Parlament ihre Positionen zusammenführen. Der Rat hat seine partielle Verhandlungsposition zu Horizon Europe bereits im Juni beschlossen; auf dieser Grundlage haben die Verhandlungen mit dem Parlament begonnen. Parallel dazu wird im Rahmen der MFR-Verhandlungen über die endgültige finanzielle Ausstattung entschieden. Im November soll das Europäische Parlament seine Position zu den einzelnen Programmen vorlegen. Für den gesamten MFR wird eine Einigung bis Ende 2026 angestrebt.

